Ölfutures vor Bekanntgabe des Fed-Zinsentscheids nahe Vortageshochs

Marktlage
Die Ölfutures an ICE und NYMEX setzten ihren Aufwärtstrend am gestrigen Dienstag fort, auch wenn es am Morgen noch zu einer technischen Abwärtskorrektur gekommen war. Den Schneesturm Fern hat die US-Ölindustrie zwar mittlerweile hinter sich gebracht, noch bleibt allerdings die Frage, wie lange die Kältewelle anhält.

"Das kalte Wetter in den USA wird in den nächsten Wochen wahrscheinlich zu erheblichen Rückgängen bei den Ölvorräten führen, insbesondere wenn dieses Wetter anhält", so der Analyst Tamas Varga von PVM zumThema Kältewelle. Die DOE-Daten, die heute um 16:30 Uhr fällig sind, werden eine erste offizielle Wasserstandsmeldung zu den Auswirkungen von Fern und dem Kälteeinbruch der vergangenen Woche sein, wobei das API gestern für die Woche zum 23. Januar nur einen geringfügigen Rückgang der landesweiten US-Rohölbestände meldete und bei den Destillatvorräten sogar einen Anstieg verbuchte.

Davon abgesehen dämpften Meldungen über eine langsame Erholung der Produktion am kasachischen Tengiz-Ölfeld den bearishen Einfluss, den die ursprüngliche Nachricht über die Wiederaufnahme der Produktion hatte. Zur Debatte steht dagegen, ob die wahrscheinliche Bestätigung der Pause, die die OPEC+ aktuell bei ihren Produktionssteigerungen macht, ein bullisher Faktor ist, oder ein bearisher. Denn einerseits hält die Allianz im Rahmen der Pause Fördermengen zurück, andererseits bekräftigt sie damit aber auch, dass die Nachfrage die erwartete saisonale Schwäche zeigt..

Nach dem Schneesturm in den USA rücken allmählich auch wieder die geopolitischen Risiken in den Vordergrund. Dies begünstigte gestern auch eine Mitteilung des US-Präsidenten Trump auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social, in der er noch einmal bekräftigte, dass eine "große Armada" der Vereinigten Staaten in Richtung Naher Osten unterwegs sei, die jedoch hoffentlich nicht zum Einsatz kommen müsse. Die Spannungen zwischen den USA und Iran dürften damit erst einmal bestehen bleiben.

Derweil belastet Trumps Politik und die Unsicherheit, die diese stiftet, auch den Dollar, was die in der US-Währung gehandelten Ölfutures attraktiver für Käufer außerhalb der Vereinigten Staaten macht. "Der Kursverfall des US-Dollars beflügelt den Ölpreis, ebenso wie die anhaltenden Sorgen um den Iran“, meint auch Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING Groep NV in Singapur, der auch auf die zuletzt wieder stärker ausgeprägte Backwardation bei den Rohölkontrakten hinweist, die "die weitverbreitete Annahme eines Überschusses infrage stellt." Bei einer Backwardation sind Kontrakte mit prompter Lieferung teurer als jene mit einerLieferung zu einem späteren Zeitpunkt, was eher für eine knappere Versorgungslage spricht.

Wie stark die aktuellen Einschätzungen der US-Notenbank zur weiteren Zinsentwicklung und zum Stand der US-Konjunktur den Dollar heute beeinflussen, wird sich erst nach Handelsschluss in Europa zeigen, wenn der Offenmarktausschuss der Fed (FOMC) die Ergebnisse der aktuellen geldpolitischen Sitzung bekannt gibt. Auch die Pressekonferenz, die auf die Sitzung folgt, werden die Marktteilnehmer auf eventuelle Hinweise für den weiteren Zinskurs in den USA abklopfen.

Die Ölfutures an ICE und NYMEX notieren aktuell im Bereich der Vortageshochs, wobei diese teilweise auch schon leicht überschritten wurden. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich daher im Vergleich zu gestern rein rechnerisch Potenzial für Aufschläge ab, auch wenn der CHF/USD-Kurs etwas nachgibt.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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