Die Hoffnung auf eine diplomatische Entspannung zwischen den USA und dem Iran hat sich innerhalb kurzer Zeit deutlich eingetrübt. Noch am Vortag hatten viele Marktteilnehmer mit einer zumindest vorläufigen Einigung gerechnet, doch neue militärische Angriffe im Persischen Golf sowie verschärfte US-Sanktionen gegen den Iran führten zu einer abrupten Stimmungswende. In der Folge stiegen die Ölpreise wieder deutlich an, da die Sorge vor einer erneuten Eskalation des Konflikts zunahm und damit auch die Risiken für die globale Energieversorgung in den Fokus rückten.
Ölmarktanalystin June Goh von Sparta Commodities warnte vor erheblichen Gefahren für den Ölmarkt, sollte die bestehende Waffenruhe scheitern. Weitere Angriffe auf Energieinfrastrukturen könnten das Angebot zusätzlich belasten, insbesondere vor dem Hintergrund bereits sinkender Ölreserven. Gleichzeitig stellte sie fest, dass die Hoffnung auf eine schnelle politische Einigung zuletzt spürbar nachgelassen habe. Auch andere Marktbeobachter teilen diese Einschätzung. Chris Weston, Forschungschef der Pepperstone Group, mahnte Investoren, nicht von einem zu optimistischen Szenario auszugehen. Zwar hofften viele Marktteilnehmer weiterhin auf eine diplomatische Lösung, dennoch bleibe das Risiko eines Scheiterns der Verhandlungen nach wie vor erheblich.
Die jüngsten Aussagen von US-Präsident Donald Trump verstärkten diese Unsicherheit zusätzlich. Trump zeigte sich unzufrieden mit den Verhandlungen rund um die Straße von Hormus und signalisierte damit eine zunehmend harte Haltung Washingtons. Bereits zuvor hatte das Weiße Haus Berichte aus dem Iran zurückgewiesen, wonach Teheran gemeinsam mit Oman künftig die Kontrolle über die strategisch bedeutende Wasserstraße übernehmen solle. Trump machte deutlich, dass die USA einer solchen Entwicklung nicht zustimmen würden. Gleichzeitig betonte er, dass er kein Abkommen akzeptieren werde, das aus Sicht Washingtons zu viele Zugeständnisse enthalte, und schloss eine Lockerung der bestehenden Sanktionen gegen den Iran aus. Damit widersprach die US-Regierung direkt den iranischen Forderungen nach wirtschaftlicher Entlastung und einem Ende militärischer Angriffe.
Mit dem schwindenden Vertrauen in eine diplomatische Lösung geraten nun erneut die strukturellen Probleme des Ölmarktes in den Vordergrund. Analysten und Marktbeobachter warnen bereits seit Wochen vor einem raschen Rückgang der globalen Ölbestände, der auf mögliche Versorgungsengpässe hindeutet. Auch die jüngsten US-Lagerdaten stützen diese Einschätzung, da sie eine zunehmende Verknappung des Angebots signalisierten. Der zuletzt veröffentlichte Bericht des American Petroleum Institute (API) fiel ebenfalls bullish aus und deutete auf sinkende Bestände hin. Dennoch warten die Märkte gespannt auf den offiziellen Bestandsbericht des US-Energieministeriums (DOE), der weitere Hinweise auf die tatsächliche Versorgungslage liefern soll.
Vor diesem Hintergrund bewerten Marktteilnehmer die fundamentale Ausgangslage inzwischen wieder als leicht bullish. Die neuen militärischen Spannungen mit dem Iran sowie die scharfe Rhetorik aus Washington sprechen derzeit eher gegen eine schnelle Konfliktlösung. Entsprechend steigen die Ölpreise bereits im frühen Handel deutlich an und treiben zugleich auch die Inlandspreise nach oben.