
Trump droht Iran erneut mit einem Militärschlag
US-Präsident Donald Trump hat seine Iran-Rhetorik erneut verschärft und die Drohung, dass eine „massive Armada“ auf dem Weg in die Region sei, wiederholt. Auf seiner Onlineplattform Truth Social forderte er das iranische Regime dazu auf, das Atomprogramm aufzugeben und einen Deal abzuschließen. Auch seine Angriffsdrohungen gegen Teheran wiederholte er im gleichen Post.
Der Iran wies die Drohungen und Forderungen zurück. Irans Atomchef Mohammad Eslami sagte, der Iran habe wie die USA das Recht, eine fortgeschrittene Nukleartechnologie zu nutzen. „Wir lehnen daher die amerikanischen Forderungen nach jeglichen Beschränkungen unseres Atomprogramms ab.“ Zuvor hatte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi gesagt, dass Diplomatie und gleichzeitig militärische Drohungen weder effektiv noch nützlich seien.
Aus US-Insiderkreisen heißt es unterdessen, Trump erwäge verschiedene Optionen gegen den Iran, darunter auch gezielte Angriffe auf Sicherheitskräfte und Regime-Anführer. Es gehe dabei auch darum, die Demonstranten im Land zu unterstützen und zu mobilisieren und die Voraussetzungen für einen Regimewechsel zu schaffen. Das äußerst brutale Vorgehen der iranische Führungsriege gegen die seit Wochen anhaltenden Proteste im Land war einer der Auslöser für die neuerliche Eskalation zwischen Iran und USA gewesen.
Am Ölmarkt sind die geopolitischen Entwicklungen im und um den Iran vor allem deshalb von so hoher Relevanz, weil sich jede Form von Unsicherheit oder Eskalation in der Region sehr schnell auf die globale Ölversorgung auswirken kann. Entsprechend ist die Risikoprämie an den Ölbörsen heute erneut gestiegen und treibt die Preise weiter in die Höhe.
Marktlage
Die Ölfutures an ICE und NYMEX legen zum dritten Mal in Folge deutlich zu, nachdem US-Präsident Donald Trump dem Iran erneut mit einem Militärschlag gedroht hat, sollte Teheran kein Atomabkommen abschließen. Damit wurden am Ölmarkt erneut Sorgen über mögliche Unruhen und Lieferunterbrechungen im Nahen Osten geschürt, die die Preise zusätzlich zu den bestehenden bullishen Faktoren wie dem Kaltwetter in den USA stützen.
Trumps jüngste Drohungen haben die geopolitische Risikoprämie wieder deutlich angeheizt und überlagern damit erneut den langfristig bearishen Druck durch das prognostizierte Überangebot. Der Iran ist trotz zahlreicher Sanktionen mit einer Produktion von rund 3,2 Mio. B/T immer noch der viertgrößte Produzent innerhalb der OPEC.
Ein US-Angriff könnte, so die Befürchtung der Anleger, nicht nur die Rohöllieferungen aus dem Iran, sondern dem gesamten Nahen Osten beeinträchtigen. Aus der Region stammt etwa ein Drittel des weltweiten Ölangebots. Zudem könnte eine iranische Vergeltung auch den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus beeinträchtigen. Diese wichtige Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel ist entscheidend für den globalen Ölhandel, werden doch täglich über 20 Mio. B/T durch die Wasserstraße transportiert, also etwa ein Fünftel des weltweiten täglichen Ölbedarfs.
Bei der Citi Bank geht man davon aus, dass die zunehmende Gefahr eines Angriffs auf den Iran die geopolitische Risikoprämie beim Ölpreis um schätzungsweise drei bis vier Dollar je Barrel erhöht habe. Eine weitere Zuspitzung der Lage könnte diesen Aufschlag noch weiter steigen lassen. Das optimistische Preisszenario der Bank von 72 Dollar je Barrel sowie ihre kurzfristigen Prognosen von 70 Dollar beruhten laut der Analysten auf einer solchen Entwicklung.
Unterdessen hat die US-Notenbank Federal Reserve am Mittwoch ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert belassen, gestützt auf Anzeichen einer robusten US-Wirtschaft. Am Ölmarkt verfolgt man die Fed-Zinspolitik mit gesteigertem Interessen, lässt sie doch Rückschlüsse auf die konjunkturelle Stabilität in den USA zu und beeinflusst darüber hinaus oft auch den Verlauf des Dollar. Dieser konnte sich gestern zumindest etwas erholen.
Dennoch überwiegen laut Priyanka Sachdeva, Senior-Marktanalystin beim Broker Phillip Nova, die bullishen Faktoren: „Trotz der unveränderten Zinspolitik der Fed und einer leichten Erholung des US-Dollar-Index zeigten sich die Ölpreise robust, da die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran weiterhin das Narrativ steigender Angebotsrisiken stützten“. Zudem, so die Expertin, hätten wetterbedingte Produktionsausfälle in Teilen der USA sowie ein überraschender Rückgang der US-Rohöllagerbestände die Preise gestützt und vorübergehend die Sorgen über ein Überangebot gemildert.
Insgesamt bleibt unsere fundamentale Einschätzung heute ebenfalls klar bullish, da die Anleger an ICE und NYMEX heute die gesteigerte Risikoprämie in Sachen Iran einpreisen. Bei den Inlandspreisen zeichnen sich damit im frühen Handel ebenfalls erste Preisaufschläge zu Mittwochmorgen ab.