Deal oder kein Deal? – Ölmarkt hofft weiter auf ein Abkommen im Iran-Krieg

Die erneuten Luftangriffe der USA auf iranische Ziele am Donnerstagmorgen dämpften zunächst die Hoffnung auf ein baldiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran. Dadurch entwickelte sich die fundamentale Marktlage am Ölmarkt zunächst leicht bullish. Zusätzliche Unterstützung erhielten die Preise durch die API-Bestandsdaten, die wegen eines Feiertags verspätet veröffentlicht wurden und erneut deutliche Rückgänge bei den US-Rohölbeständen signalisierten. Auch aus charttechnischer Sicht überwogen bullishe Signale: Der Stochastik-Indikator generierte auf mehreren Zeitebenen klare Kaufsignale, während die Nähe zu den unteren Bollinger-Bändern das Abwärtspotenzial begrenzte. Gleichzeitig blieb nach oben Raum für Kursanstiege bis zu den gleitenden Durchschnitten bestehen.

Trotz dieser grundsätzlich positiven Ausgangslage konnten die Ölpreise ihre frühen Gewinne jedoch nicht halten. Bereits nach den Tageshochs drehten die Notierungen an den Börsen ICE und NYMEX wieder nach unten. Zwar blieb die Gefahr einer weiteren Eskalation im Persischen Golf bestehen, dennoch sorgte die Tatsache, dass erneut einige Tanker die Straße von Hormus passieren konnten, für eine gewisse Entspannung am Markt. Ohne neue Nachrichten aus der Region blieb die Unsicherheit unter den Marktteilnehmern jedoch hoch.

Am Nachmittag sorgte schließlich eine Meldung des US-Portals Axios für erhebliche Aufmerksamkeit. Demnach hätten sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das eine Verlängerung der Waffenruhe um 60 Tage sowie die Wiederöffnung der Straße von Hormus vorsieht. Eine offizielle Bestätigung stand allerdings weiterhin aus. Deshalb hielten sich die Kursverluste zunächst in Grenzen. Dennoch setzte sich die abwärtsgerichtete Tendenz an den Ölbörsen bis zum Abend fort – trotz klar bullish ausgefallener DOE-Bestandsdaten. Sowohl Brent als auch WTI schlossen den Handelstag deutlich im Minus, und auch die Inlandspreise gaben nach.

Das mögliche Rahmenabkommen gilt inzwischen als realistischer denn je. Laut Axios lagen die Bedingungen bereits seit Dienstag weitgehend vor, doch US-Präsident Donald Trump habe sich zusätzliche Bedenkzeit ausgebeten. Vizepräsident JD Vance sprach von deutlichen Fortschritten in den Gesprächen. Iranische Stellen bestätigten die Meldung jedoch noch nicht und erklärten, dass der Entwurf bislang weder finalisiert noch offiziell angenommen worden sei. Auch US-Finanzminister Scott Bessent vermied eine Bestätigung.

Der vorgeschlagene Plan sieht vor, die Waffenruhe zunächst um 60 Tage zu verlängern. Während dieser Zeit sollen neue Verhandlungen über das iranische Atomprogramm stattfinden. Gleichzeitig soll die Straße von Hormus vollständig geöffnet werden, sodass Schiffe die Meerenge wieder ohne Einschränkungen und Zusatzgebühren passieren können. Die Märkte bewerten diese Perspektive zunehmend als glaubwürdig, weshalb die Risikoprämien auf dem Ölmarkt bereits sinken. Sollte das Abkommen tatsächlich unterschrieben werden, rechnen viele Marktteilnehmer mit weiteren Preisrückgängen. Allerdings hängt eine nachhaltige Entspannung davon ab, ob die Schifffahrt durch die Straße von Hormus tatsächlich wieder sicher und störungsfrei möglich wird.

Die DOE-Daten bestätigten unterdessen die zuvor vom API gemeldeten Rückgänge der US-Ölbestände. Die Rohölvorräte sanken um 3,3 Millionen Barrel, während die Lagerbestände im wichtigen Umschlagzentrum Cushing in Oklahoma um weitere 2,8 Millionen Barrel zurückgingen. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei den Produktbeständen aus. Die Benzinvorräte nahmen bereits zum fünfzehnten Mal in Folge ab und fielen um 2,6 Millionen Barrel. Gleichzeitig stieg die Raffinerieauslastung auf hohe saisonale 94,5 Prozent. Die Daten deuten darauf hin, dass die USA verstärkt Ölprodukte exportieren, um globale Lieferengpässe infolge der Probleme in der Straße von Hormus auszugleichen. Damit unterstreichen die Zahlen sowohl die knappe Versorgungslage in den USA als auch die angespannten globalen Angebotsbedingungen.

Zum Ende der Woche bestimmen damit sowohl bullishe als auch bearishe Faktoren den Ölmarkt. Einerseits bleibt das weltweite Angebot angespannt und wirkt preisstützend. Andererseits erhöht die Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran den Druck auf die Ölpreise, da Anleger mit einer schrittweisen Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus rechnen. Brent steuert dadurch auf den stärksten monatlichen Preisrückgang seit 2020 zu.

Die vergangenen Handelstage waren von starken Kursschwankungen geprägt. Widersprüchliche Signale über ein mögliches Ende des inzwischen drei Monate andauernden Konflikts sowie über die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Meerenge führten zeitweise zu Ausschlägen von bis zu sechs Dollar pro Barrel. Noch immer liegt der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus deutlich unter dem Niveau vor Beginn des Konflikts.

Experten weisen zudem darauf hin, dass selbst eine offizielle Einigung kurzfristig keine vollständige Normalisierung garantieren würde. Vor einer sicheren Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs müssten zunächst Minen geräumt und beschädigte Energieinfrastruktur repariert werden. Außerdem könnten stillgelegte Förderanlagen Monate benötigen, um ihre Produktion wieder hochzufahren. Rohstoffstratege Ryan McKay erwartet daher weiterhin erhebliche Einschränkungen bei den Lieferungen. Selbst bei einer sofortigen Öffnung der Straße von Hormus würde es Wochen dauern, bis gestrandete Tanker ihre Ladung ausliefern könnten. Während dieser Übergangsphase könnten dem Markt nach seiner Einschätzung bis zu eine Milliarde Barrel Öl fehlen.

Zusätzliche Unterstützung erhalten die Ölpreise weiterhin durch die sinkenden US-Bestände. Besonders die Vorräte an Destillaten erreichten laut DOE den niedrigsten Stand seit über zwanzig Jahren. Auch die Rohölbestände in Cushing fallen bereits die fünfte Woche in Folge und nähern sich mit 23 Millionen Barrel einem kritischen Mindestniveau.

Insgesamt halten sich derzeit bullishe und bearishe Einflüsse weitgehend die Waage. Die knappe Versorgungslage spricht weiterhin für stabile beziehungsweise höhere Preise, während eine mögliche Einigung zwischen den USA und dem Iran sowie die Aussicht auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormus erhebliches Abwärtspotenzial für die Ölpreise schaffen könnten. Auch bei den Inlandspreisen zeichnen sich deshalb kurzfristig erneut sinkende Tendenzen ab.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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