
Die USA und der Iran haben ihre gegenseitigen Angriffe nach einer kurzen militärischen Eskalation vorerst eingestellt. Auslöser der Spannungen war ein Angriff auf den mit Rohöl aus Katar beladenen Öltanker Kiku in der Straße von Hormus, für den die USA den Iran verantwortlich machten. Als Reaktion griffen die USA Ziele des iranischen Militärs aus der Luft an, worauf der Iran US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain attackierte. Berichten zufolge einigten sich beide Staaten inzwischen darauf, die Kampfhandlungen auszusetzen und bereiten technische Gespräche vor, die in dieser Woche in Doha stattfinden sollen. Ob der Iran an diesen Verhandlungen teilnehmen wird, bleibt jedoch offen, da iranische Regierungsvertreter wegen der jüngsten Angriffe und aus ihrer Sicht nicht erfüllter Vereinbarungen Zweifel an einer Teilnahme geäußert haben. Auch der vereinbarte direkte Notfall-Kommunikationskanal zwischen den US-Streitkräften und den iranischen Revolutionsgarden für Vorfälle in der Straße von Hormus wurde bislang nicht aktiviert. Gleichzeitig bekräftigte der Iran, dass er die Kontrolle über den Schiffsverkehr in der Meerenge beansprucht und künftig konsequenter gegen Schiffe vorgehen will, die gegen seine Vorgaben verstoßen.
An den Ölmärkten reagierten die Preise zunächst mit einer Entspannung. Der Brent-Rohölpreis fiel erstmals wieder unter das Niveau vor Beginn des Konflikts, während der WTI-Preis den kriegsbedingten Anstieg fast vollständig ausglich. Dennoch bleiben die Märkte angesichts der jüngsten Angriffe auf ein Container- und ein Tankschiff sowie der unsicheren Lage in der Straße von Hormus nervös. Marktteilnehmer, Reedereien und Versicherungen sehen weiterhin erhebliche Risiken für den internationalen Schiffsverkehr und die Ölversorgung. Analysten gehen davon aus, dass die Erwartungen einer schnellen Normalisierung der Öltransporte möglicherweise zu optimistisch sind und sich die Preise bei einer langsameren Erholung des Angebots wieder deutlich erhöhen könnten. Zusätzlich beeinflussen die Entwicklung der Kraftstoffnachfrage in den USA während der Reisesaison sowie die weiterhin verhaltene Nachfrage aus China die Marktaussichten.
Auch auf den Märkten für Ölprodukte bestehen Aufwärtsrisiken. Ein Streik in der Raffinerie von ExxonMobil in Antwerpen sowie ein mögliches vollständiges russisches Exportverbot für Dieselkraftstoff könnten das Angebot weiter verknappen. Präsident Wladimir Putin räumte selbst Engpässe auf dem russischen Kraftstoffmarkt ein und bestätigte, dass die Regierung ein umfassendes Diesel-Exportverbot prüft. Entsprechend entwickelten sich insbesondere die Preise für Mitteldestillate wie Diesel stabiler als die Rohölpreise. Auch auf dem Binnenmarkt zeichnen sich dadurch steigende Preise gegenüber dem Stand vom vergangenen Freitag ab.