
Iran warnt Schiffsverkehr vor Militärübung in Straße von Hormus
Bereits Anfang der Woche hatte der Iran eine Warnung ausgegeben, dass der Luftraum nahe der Straße von Hormus bis einschließlich gestern drei Tage lang gesperrt sei, da man eine Militärübung mit echter Munition durchführen würde. Nun soll auch eine Warnung für den Schiffsverkehr herausgegangen sein, dass am Sonntag und Montag eine Übung der iranischen Seestreitkräfte in der Meerenge abgehalten werde (ebenfalls mit echter Munition). Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtete gestern unter Berufung auf zwei pakistanische Sicherheitskräfte von der Warnung Irans.
US-Präsident Trump hatte schon Ende letzter Woche mit seiner Äußerung, die USA hätten eine Armada von Kriegsschiffen in Richtung Iran entsendet, die Sorgen bezüglich eines US-Militärschlags gegen die Islamische Republik wieder steigen lassen. Am Mittwoch nährte er diese Sorgen mit einem weiteren Kommentar auf seiner Kommunikationsplattform erneut, indem er Teheran ein nicht genau definiertes Ultimatum für dessen Rückkehr an den Verhandlungstisch stellte, wobei er die Verhandlungen über das Atomprogramm Irans meinte. Sollte es nicht bald dazu kommen, würden die USA einen stärkeren Angriff auf den Iran durchführen als im vergangenen Juli.
Die iranische Botschaft in New York kommentierte die Drohung Trumps von Mittwoch über den Kurzmitteilungsdienst X und gab an, dass der Iran bereit für einen Dialog sei, der "auf gegenseitigem Respekt" basiere. In Großbuchstaben fügte die Botschaft jedoch hinzu: "WENN [der Iran, Anm. d. Red.] ABER GEDRÄNGT WIRD, WIRD ER SICH VERTEIDIGEN UND WIE NIE ZUVOR ANTWORTEN!"
Die zuletzt angekündigten Militärübungen Irans in der Straße von Hormus am Sonntag und Montag treiben den Marktteilnehmern die Sorgen falten auf die Stirn, denn der Iran drohte in der Vergangenheit bei Konflikten schon oft mit der Blockade der Meerenge, durch die täglich rund 21 Mio. Barrel Öl auf den Weltmarkt gelangen. Wie stark die Übungen selbst den Öltransit beeinträchtigen werden, bleibt jedoch abzuwarten.
Marktlage
Die Spannungen zwischen den USA und Iran verhalfen den Rohölpreisen an ICE und NYMEX am gestrigen Donnerstag zu neuen Mehrmonatshochs und auch auf Wochensicht zeichnet sich derzeit der stärkste Preisanstieg seit Monaten ab. Auch die Kälte in weiten Teilen Europas und der USA stützte die Ölpreise in dieser Woche noch, wenngleich nicht mehr ganz so stark wie in der vergangenen Woche.
In puncto Iran rückte vor allem die Befürchtung in den Vordergrund, die Islamische Republik könnte die Straße von Hormus blockieren - einem wichtigen Nadelöhr für den auf dem Seeweg abgewickelten internationalen Ölhandel. Mit den Warnungen vor Militärübungen nahe und in der Meerenge, die wiederum Drohungen Trumps und einer Bereitschaftsübung der US-Streitkräfte folgten, rasselt Teheran derzeit wieder mit einem sehr scharfen Säbel, der die Marktteilnehmer wieder dazu veranlasst, einen geopolitische Risikoaufschlag einzupreisen.
Bei der Citigroup geht man davon aus, dass dieser Aufschlag aktuell zwischen 7 und 10 Dollar pro Barrel liegt, wobei die Analysten der Bank auch damit rechnen, dass es im Verlauf des Jahres zu einer De-Eskalation der Spannungen zwischen Washington und Teheran kommen werde. Als Begründung für diese Erwartung führen sie "Präsident Trumps Präferenz, Krieg zu vermeiden, und die Wahrscheinlichkeit, dass der anhaltende innenpolitische Druck im Iran Potenzial für Veränderungen bietet, die zu einem Abkommen führen könnten", an.
Aktuell ist jedoch von einer De-Eskalation noch nichts zu spüren, da es aber auch noch nicht zu tatsächlichen Angebotsausfällen gekommen ist, geht man am Markt davon aus, dass die für Januar bis einschließlich März angekündigte Pause der Rückführung der freiwilligen Zusatzkürzungen von 8 OPEC+-Produzenten bei deren Treffen am Sonntag noch einmal bestätigt werden wird. Auch die Entwicklungen in Venezuela dürfte daran nichts ändern, wie einzelne OPEC+-Delegierte bereits vergangene Woche angedeutet hatten. Die US-Regierung gab gestern auch noch eine generelle Lizenz an US-Ölunternehmen heraus, die zahlreiche Aktivitäten umfasst, welche sowohl den Export und Verkauf venezolanischen Rohöls, aber auch dessen Lagerung und Raffinierung beschleunigen soll. Für den Bereich Produktion gilt diese Lizenz jedoch nicht.
Mit Blick auf die bevorstehende Sitzung der acht freiwilligen Zusatzkürzer der OPEC+ am Sonntag dürften sich die Trader heute tendenziell mit risikoreicheren Positionsmanövern eher zurückhalten, zumal der nächste Frontmonatswechsel bei Brent und den NYMEX Produktkontrakten (heute Abend) im heutigen Handelsverlauf ohnehin zu einer erhöhten Volatilität führen könnte. Sollte es jedoch neue Meldungen zu den Spannungen zwischen den USA und Iran geben, könnte dies durchaus für stärkere Preisreaktionen sorgen.
Momentan notieren die Kontrakte erst einmal deutlich unterhalb der Vortageshochs, was wohl auch dem festeren Dollar geschuldet ist, der davonprofitiert, dass ein erneuter US-Regierungs-Shutdown wohl vorerst abgewendet werden konnte. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich derzeit rein rechnerisch im Vergleich zu den Erhebungspreisen von gestern aber immer noch Potenzial für leichte Aufschläge ab.