
Trump droht dem Iran mit Militärschlag
Zuletzt hatten sich die geopolitischen Risiken vor allem auf die Ukraine und Venezuela beschränkt. Doch mit neuen Kommentaren des US-Präsidenten tritt nun auch wieder der Iran auf die weltpolitische Bühne. Donald Trump drohte Teheran mit weiteren Militärschlägen, sollte der Iran weiter Raketen bauen oder sein Atomprogramm wieder aufnehmen.
Die USA würden „sofort“ selbst eingreifen, falls dies notwendig sein sollte, erklärte Trump im Rahmen eines Treffens mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Florida. „Wir werden es sofort tun“, sagte Trump zu möglichen Angriffen für den Fall, dass diplomatische Versuche scheitern sollten und der Iran sein Nuklearprogramm fortsetzt.
Im Juni hatte Israel die Atomanlagen der Islamischen Republik mit Unterstützung der USA bombardiert und zum Großteil zerstört. Der Konflikt schwelt trotz Waffenruhe, eine diplomatische Lösung ist nicht in Sicht. Israelischen Informationen nach arbeitet Teheran intensiv am Wiederaufbau seines Raketenarsenals. Zuletzt gab es in beiden Ländern Berichte über einen möglichen Neubeginn des Krieges. Dieser könnte auch die Ölproduktion und -exporte des OPEC-Mitgliedes in Mitleidenschaft ziehen und damit zu Engpässen führen.
Marktlage
Trotz der grundsätzlich erwarteten Angebotsschwemme in den kommenden Monaten treten aktuell vor allem geopolitische Krisenherde in den Fokus der Anleger – nach Kommentaren Donald Trumps seit gestern nun auch wieder der Iran. Die Ölpreise bleiben damit kurz vor dem Jahreswechsel leicht gestützt.
Zwar dürfte es sich in Sachen Iran erst einmal nur um Säbelrasseln handeln, doch die Anleger an ICE und NYMEX wissen, wie rasant die Lage in der Region eskalieren und dann auch blitzschnell die Ölinfrastruktur eines Landes wie dem Iran lahm legen kann. Diese Erfahrung macht am anderen Ende der Welt gerade Venezuela, wo die USA ihre Seeblockade weiterhin aufrecht erhalten.
Aus Caracas hieß es zuletzt, man haben begonnen Förderanlagen abzuschalten, da die Rohölexporte zum Erliegen gekommen sind und die Lagertanks keine Kapazitäten mehr haben. Unabhängig davon erklärte Präsident Donald Trump, die USA hätten eine Hafenanlagen angegriffen, da dort angeblich ein Drogenumschlagsplatz gewesen sei. Die Lage in dem südamerikanischen Land bleibt somit enorm angespannt.
Unterdessen bleiben die Bemühungen, den Krieg in der Ukraine zu beenden, erfolglos. Zwar betonten sowohl Washington, als auch Kiew, dass die Gespräche am Wochenende in Florida konstruktiv gewesen seien, doch ein russisches Entgegenkommen bleibt bisher ebenso aus, wie konkrete Pläne für eine Waffenruhe. Eine schnelle Aufhebung der Sanktionen gegen Moskau wird damit immer unwahrscheinlicher.
„Das Thema Überangebot am Markt ist weitgehend verwässert – wenn nicht sogar von geopolitischen Störungen überlagert worden“, kommentiert Gao Jian, Analyst bei Qisheng Futures Co. die aktuelle Lage. „Solange diese Konflikte nicht gelöst sind, werden Volatilität und Preisauftrieb anhalten“, fügt er hinzu, auch wenn sich die grundsätzliche Markttendenz vor dem Hintergrund eines sich vertiefenden Überangebots wahrscheinlich nach unten verschieben werde.
Längerfristig betrachtet bleiben die Rohölpreise auf Kurs für einen deutlichen Jahresverlust. Zu groß ist die erwartete Ölschwemme, die schon seit Monaten auf den Markt zurollt. Selbst nachhaltige Ausfälle, wie etwa durch die Blockade der venezolanischen Ölexporte, können höchstens einen kleinen Teil dieses Überangebots ausgleichen.
Kurzfristig fällt die fundamentale Einschätzung heute aber leicht bullish aus, da Donald Trump mit seinen Drohungen gegen den Iran ein neues altes Krisengebiet zurück ins Bewusstsein der Anleger gebracht hat. Entsprechend orientieren sich die Kurse heute leicht nach oben und auch bei den Inlandspreisen zeichnen sich zumindest leichte Kursaufschläge im Vergleich zu gestern Morgen ab.