
Die Handelswoche begann an den Ölmärkten mit einer insgesamt schwachen, von bearishen Erwartungen geprägten Stimmung. Nachdem die gegenseitigen Angriffe der USA und des Iran vom Wochenende zunächst ausgesetzt worden waren, rückten wieder die fundamentalen Marktfaktoren in den Vordergrund. Vor allem die erwarteten niedrigeren saudischen Exportpreise für August sowie die anhaltend schwachen Rohölimporte Chinas belasteten die Preisentwicklung. Gleichzeitig blieb unklar, ob die von den USA angekündigten Gespräche mit dem Iran in Doha tatsächlich stattfinden würden. Aus charttechnischer Sicht fehlten ebenfalls klare Kaufsignale, da sich zuvor positive Impulse bereits abgeschwächt hatten und wichtige technische Indikatoren weiterhin auf eine übergeordnete Schwäche hindeuteten. Dennoch hielten sich die Ölpreise zunächst oberhalb der Tiefstände vom Freitag. Unterstützung erhielten sie durch einen verschärften Tarifkonflikt in der norwegischen Ölindustrie sowie den Streik in einer Raffinerie in Antwerpen, die beide kurzfristig das Angebot belasteten. Zudem verhinderten die Unsicherheiten über mögliche diplomatische Gespräche, dass der WTI-Preis dauerhaft unter die psychologisch wichtige Marke von 70 US-Dollar je Barrel fiel. Im weiteren Tagesverlauf schwankten die Notierungen zunächst zwischen neuen Zwischenhochs und erneuten Rücksetzern, bevor sie bis Handelsschluss wieder anzogen und den Tag insgesamt mit Gewinnen beendeten. Allerdings gelang lediglich den US-Produktkontrakten ein Anstieg über die Hochs des Freitags. Der Anstieg der Börsenpreise sorgte gleichzeitig für steigendes Potenzial bei den Inlandspreisen.
Die Investmentbank Morgan Stanley senkte ihre Preisprognosen für die europäische Referenzsorte Dated Brent bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen deutlich. Für das dritte und vierte Quartal 2026 rechnen die Analysten nun nur noch mit einem durchschnittlichen Preis von jeweils 75 US-Dollar pro Barrel. Auch die Erwartungen für sämtliche Quartale des Jahres 2027 wurden nach unten korrigiert; für das vierte Quartal 2027 erwartet die Bank inzwischen einen Durchschnittspreis von lediglich 70 US-Dollar je Barrel. Als Hauptgründe nennen die Analysten die deutlich schnellere Normalisierung der Öllieferungen durch die Straße von Hormus, die weiterhin schwache Nachfrage aus China sowie das hohe Exportangebot aus den USA. Diese Kombination dürfte nach ihrer Einschätzung zu einem anhaltenden Angebotsüberschuss führen. Morgan Stanley geht davon aus, dass bereits eine Wiederherstellung von rund 65 Prozent der Lieferungen durch die Straße von Hormus ausreichen würde, um den Ölmarkt im Jahr 2027 auszugleichen. Tatsächlich erreichte die Zahl der Öl- und Gastanker, die den Persischen Golf über die Meerenge verließen, zuletzt wieder das Vorkriegsniveau.
Zu Beginn des neuen Handelstages richtete sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer vor allem auf die mögliche Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Doha. Während US-Präsident Donald Trump ein mögliches Treffen ankündigte, äußerte sich die iranische Regierung zurückhaltend und erklärte, Gespräche lediglich mit dem Oman über die künftige gemeinsame Regulierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus führen zu wollen. Gleichzeitig betonte der stellvertretende iranische Außenminister, der Iran könne die Kontrolle des Schiffsverkehrs notfalls auch allein übernehmen und warnte andere Staaten vor einer Einmischung. Diese Aussagen verstärkten die Unsicherheit über die künftigen Rahmenbedingungen für den internationalen Schiffsverkehr durch die strategisch bedeutende Meerenge und insbesondere über mögliche zukünftige Transitgebühren. Entsprechend bewerteten Marktbeobachter die Lage zwar vorsichtig optimistisch, warteten jedoch auf konkrete Signale einer nachhaltigen Entspannung.
Auf der Nachfrageseite sorgten besser als erwartete Einkaufsmanagerindizes aus China kurzfristig für etwas Zuversicht, da sie auf eine leichte Belebung der chinesischen Wirtschaft hindeuteten. Gleichzeitig wiesen Experten jedoch darauf hin, dass sich diese Erholung überwiegend auf Exporte und technologiegetriebene Branchen stütze und daher noch keine breit angelegte Nachfragesteigerung erkennen lasse. Mit Blick auf den weiteren Wochenverlauf erwarteten die Marktteilnehmer insbesondere die aktuellen Lagerdaten des American Petroleum Institute sowie den offiziellen Ölmarktbericht des US-Energieministeriums. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Entwicklung der US-Ölbestände und der Lagerbestände im wichtigen Umschlagzentrum Cushing in Oklahoma, nachdem diese bereits zuvor unter das operative Mindestniveau gefallen waren. Trotz leicht nachgebender Ölfutures am Dienstagmorgen deuteten die Preisbewegungen vom Vortag weiterhin auf steigende Inlandspreise hin.