Ölfutures auf Richtungssuche - Trump will eigene Zeitvorgabe für Iran-Krieg einhalten

Iranischer Drohnenangriff setzt voll beladenen Öltanker vor Dubai in Brand
Der Iran griff am gestrigen Montag einen kuwaitischen Rohöltanker an, der sich im Bereich einer Anlegestelle am Hafen von Dubai befand. Dies gab das staatliche Ölunternehmen Kuwait Petroleum Corporation (KPC) in einer Mitteilung bekannt. Demnach habe es zwar keine Verletzten gegeben, wohl aber könne laut KPC Öl in die umliegenden Gewässer auslaufen.

Die Al-Salmi, die etwa 2 Millionen Barrel Rohöl aufnehmen kann, soll voll beladen gewesen sein. Die Behörden in Dubai gaben wenig später an, der Brand, den der Drohnenangriff auf die Al-Salmi verursacht hatte, sei unter Kontrolle gebracht worden.

US-Präsident Trump hatte kurz zuvor auf seinem Kommunikationsplattform Truth Social noch geschrieben, dass Washington und Teheran "ernsthafte Gespräche" geführt würden, noch in der selben Meldung allerdings die Drohung wiederholt, die iranischen Kraftwerke, Ölquellen und die Insel Kharg, die über mehrere Exportterminals verfügt, vollständig zu zerstören, sollte der Iran die Straße von Hormus nicht "umgehend" wieder freigeben.

Trump könnte Iran-Krieg ohne Freigabe der Straße von Hormus beenden
Erst gestern hatte US-Präsident Trump gegenüber Journalisten noch angegeben, die USA seien bereits dabei, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu übernehmen, heute scheint ihm dies einem Bericht der Tageszeitung Wall Street Journal zufolge offenbar schon zu zeitintensiv. So hieß es aus Regierungskreisen, Trump habe seinen Beratern gegenüber gesagt, er sei bereit, den Krieg im Iran auch zu beenden, wenn der Schiffsverkehr durch die wichtige Meerenge weitestgehend gesperrt bliebe.

Grund dafür ist demnach, dass es den ursprünglichen Zeitrahmen, den sich Trump für den Iran-Krieg gesetzt hatte - nämlich vier bis sechs Wochen - sprengen dürfte, wollen die USA die Straße von Hormus tatsächlich unter Kontrolle bringen. So will der Präsident nun lieber sicherstellen, dass die Hauptziele der Mission erreicht werden, also die iranische Marine sowie die Raketenbestände zu dezimieren und die Kampfhandlungen zu beenden. Sollte man den Iran nicht durch Verhandlungen dazu bringen, die Straße von Hormus wieder freizugeben, sollen es wohl die US-Verbündeten in Europa und am Persischen Golf richten. Einige dieser Verbündeter hatten sich zuletzt bereit erklärt, sich an der Sicherung des freien Schiffsverkehrs in der Meerenge zu beteiligen, allerdings erst nach Kriegsende.

Marktlage

Die Ölpreise an den Börsen bleiben weiterhin getrieben von den Schlagzeilen zum Nahostkonflikt. Am frühen Dienstagmorgen gaben sie zunächst deutlich nach, nachdem Medienberichte darauf hindeuteten, dass US-Präsident Trump den Krieg mit dem Iran bald beenden könnte, um die selbst gesetzte zeitliche Vorgabe von vier bis sechs Wochen nicht zu stark zu überschreiten.

Wirklich bearish ist die Meldung allerdings nicht, denn was mit der Straße von Hormus passiert, wenn sich die USA aus dem Konflikt zurückgezogen haben, ist Trump offenbar nicht so wichtig. Für die Sicherheit des internationalen Schiffsverkehrs durch die Meerenge sollen andere sorgen.

Der Iran könnte zwar die Durchfahrt durch die Meerenge nach Abzug der US-Streitkräfte für internationale Handelsschiffe wieder gewähren. Allerdings könnte die Islamische Republik dann Transitgebühren verlangen. Eine entsprechende Gesetzesvorlage wurde im iranischen Parlament bereits ausgearbeitet.

Und eine wirklich belastbare Zeitangabe bezüglich des Kriegsendes gibt es auch nicht und so müssen die Marktteilnehmer vorerst weiterhin die noch vorhandenen Einschränkungen einpreisen. Laut Shaia Hosseinzadeh, Chief Investment Officer von Onyx Point Global Management wird die Realität am physischen Markt in den aktuellen Preisniveaus nicht ausreichend widergespiegelt. "Derzeit stellen die 100 Dollar eine Art Zwischenzustand dar: zu hoch, um stabil zu sein, und zu niedrig, um das Ausmaß dieser physischen Erschütterung abzubilden," so Hosseinzadeh.

Immerhin könnte mit einem baldigen Ausstieg der USA aus dem Iran-Krieg möglicherweise verhindert werden, dass die Huthi-Miliz vom Jemen aus zur Unterstützung Irans auch die Schifffahrt im Roten Meer und der Meerenge von Baab el-Mandeb wieder unter Beschuss nimmt. Diese ist besonders für Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate eine wichtige Alternative zur Route über die Straße von Hormus. Sollte diese auch noch unbefahrbar werden, würde das Angebot aus dem Nahen Osten noch stärker abnehmen und die Preise einen weiteren Schub erhalten.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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