Trump sorgt mit KI-Video zu Kharg für Verunsicherung am Ölmarkt

US-Präsident Donald Trump hat am Montagmorgen mit einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social für Verwirrung gesorgt. Er veröffentlichte ein offenbar KI-generiertes Video, das die iranische Insel Kharg angeblich während einer massiven Zerstörung zeigt, und kommentierte es mit den Worten: „Die Insel Kharg, wie sie in Stücke gesprengt wird!!!“ Kharg spielt für die iranische Ölindustrie eine zentrale Rolle, da der Iran normalerweise rund 90 Prozent seiner Rohölexporte über die drei Häfen der Insel abwickelt. Satellitenaufnahmen zeigen allerdings, dass von Kharg bereits seit mehreren Wochen kein Öl mehr exportiert worden sein soll. Sollte die dortige Ölinfrastruktur tatsächlich beschädigt oder zerstört werden, könnte dies die Erholung der iranischen Ölproduktion und der Exporte nach einem Ende des aktuellen Konflikts erheblich erschweren.

Die jüngsten Entwicklungen folgen auf weitere militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA und Iran. Am Sonntag griffen US-Streitkräfte militärische Ziele auf der iranischen Insel Larak an. Dort hatte der Iran nach US-Angaben Raketenwerfer stationiert, die für den Einsatz gegen Schiffe und für den Abschuss von mit Seeminen bestückten Raketen vorbereitet worden sein sollen. Die iranischen Revolutionsgarden bestätigten den Angriff und meldeten mehrere getötete und verletzte Mitglieder der Organisation sowie zivile Opfer. Iran reagierte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA am frühen Montagmorgen mit einem Vergeltungsschlag auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Jordanien. Nach Angaben der jordanischen Nachrichtenagentur drangen dabei acht Raketen in den jordanischen Luftraum ein, die jedoch abgefangen werden konnten.

Die erneuten militärischen Spannungen wirkten sich unmittelbar auf den Ölmarkt aus. Brent für November startete am Montag bereits leicht über der Marke von 90 US-Dollar je Barrel, während WTI wieder über 85 US-Dollar stieg. Neben den direkten Angriffen richtet sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer vor allem auf die mögliche Bedeutung des von Trump veröffentlichten Kharg-Videos. Eine tatsächliche Zerstörung der dortigen Infrastruktur würde die iranischen Exportmöglichkeiten langfristig beeinträchtigen und könnte damit die Erholung des weltweiten Ölangebots nach dem Konflikt verzögern.

Der Analyst Suvro Sarkar von der DBS rechnet derzeit eher mit einer zeitlich begrenzten Konfrontation als mit einer dauerhaften Eskalation. Gleichzeitig dürfte jede neue militärische Auseinandersetzung die Pläne für eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus weiter verzögern. Bei der DBS hatte man ursprünglich auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den USA und Iran bis zum Ende des dritten Quartals gehofft. Angesichts der aktuellen Entwicklung erscheint dieses Szenario jedoch zunehmend unwahrscheinlich. Sarkar erwartet deshalb, dass sich die Ölpreise vorerst in einer Spanne von etwa 85 bis 95 US-Dollar je Barrel bewegen könnten, solange sich die Lage rund um die Straße von Hormus nicht nachhaltig entspannt.

Zusätzlichen Druck auf Iran baut die US-Regierung mit neuen Sanktionen auf. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, dass Washington voraussichtlich jede Woche neue Sekundärsanktionen gegen iranische Geschäftspartner verhängen werde. Den Anfang sollen Banken machen, die Geschäfte mit Iran betreiben. Bereits in der vergangenen Woche hatte das US-Finanzministerium Einzelheiten der sogenannten „Operation wirtschaftlicher Außenseiter“ veröffentlicht, mit der Washington den wirtschaftlichen Druck auf Teheran deutlich erhöhen will. Die Ankündigung hatte an den Ölbörsen zunächst allerdings kaum für steigende Preise gesorgt.

Auch die Geldpolitik der US-Notenbank hatte zuletzt nur begrenzten direkten Einfluss auf die Ölpreise. Eine Rede von Fed-Chef Kevin Warsh beim Notenbanksymposium in Jackson Hole enthielt zwar ungewöhnlich deutliche Hinweise auf eine mögliche baldige Zinsanhebung in den USA, bewegte die Ölfutures jedoch kaum. Über den Wechselkurs CHF/USD entstand rechnerisch hingegen zusätzliches Aufwärtspotenzial für die in CHF gehandelten Inlandspreise. Da die Ölfutures am Montag bereits fester in die neue Handelswoche gestartet sind, zeichnet sich bei den heimischen Ölpreisen gegenüber Freitag weiteres Aufschlagspotenzial ab.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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